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Das Kind in uns

„Das Kind in dir muss Heimat finden“ ist der Titel eines Buches der Erfolgsautorin Stefanie Stahl. Sie hat einen neuen, wirksamen Ansatz zur Arbeit mit dem »inneren Kind« entwickelt und hilft damit vielen Menschen, innere Konflikte zu lösen, Beziehungen glücklicher zu gestalten und für viele Problem eine Antwort zu finden.

Jeder Mensch sehnt sich danach, angenommen und geliebt zu werden. Im Idealfall entwickeln wir während unserer Kindheit das nötige Selbst- und Urvertrauen, das uns als Erwachsene durchs Leben trägt. Doch auch die erfahrenen Kränkungen prägen sich ein und bestimmen unbewusst unser gesamtes Beziehungsleben.

Stefanie Stahl

So wie Stefanie Stahl gibt es viele Psychologen, die sich dem Thema des inneren Kindes gewidmet haben. Ich persönlich bin in jungen Jahren auf das Buch von John Bradshaw „Das Kind in uns“ aufmerksam geworben. Es hat mir sehr geholfen zu verstehen, dass es außer der erwachsenen Person noch ein inneres Kind in mir gibt, dass meinen Alltag beeinflusst und bestimmt.

Grundsätzlich können wir davon ausgehen, dass jeder Mensch in sich nicht nur ein geliebtes, sondern auch ein verletztes Kind, welches oft auch Schattenkind genannt wird, trägt. Im allgemeinen schenkt man dem verletzten Kind mehr Aufmerksamkeit als dem geliebten, doch meist steckt hinter dem geliebten Kind, ebenfalls ein unsicheres Kind.

Das geliebte Kind

Das geliebte Kind hat meist sehr frühzeitig gelernt sich den Umständen anzupassen, hat herausgefunden, was es zu tun hat, um Aufmerksamkeit, Anerkennung und sogar Liebe zu bekommen. Es hat aus der Not also eine sprichwörtliche Tugend gemacht.

Nichts desto trotz ist dieses Kind meist genauso ängstlich und unsicher wie dass verletzte Kind. Aber oft kümmert sich der Mensch in seinem späteren Leben nicht um dieses scheinbar geliebte Kind in ihm, sondern widmet seine Aufmerksamkeit nur dem offensichtlich verletzten Kind in sich, was wie ich finde ein fataler Fehler ist. Beide Kindsanteile brauchen unsere Aufmerksamkeit.

Eine Medaille hat bekanntlich auch zwei Seiten und es ist in meinen Augen wichtig, beide Seiten zu betrachten. Dem scheinbar geliebten Kind muss zum Beispiel gezeigt werden, dass es die Kontrolle aufgeben darf und trotzdem geliebt werden wird. Es muss ihm vermittelt werden, dass niemand perfekt ist und dies auch nicht sein muss, um ein liebenswerter Mensch zu sein. Es muss lernen, darauf zu vertrauen, dass, wenn es mal einen Fehler macht, der Erwachsene in uns dieses Kind trotzdem nicht verurteilt und zu ihm hält.

Das verletzte Kind

Es gibt viele Ursachen für ein verletztes Kind in uns. Da wäre z. B. die mangelnde Beachtung und Liebe der Eltern, Traumatas in verschiedensten Varianten, Verrat, Ablehnung und häufig auch der unverarbeitete Verlust einer geliebten Person. Scheidungskinder tragen oft auch eine Art Schuldgefühl in sich, weil sie häufig glauben, Schuld an der Trennung der Eltern zu sein.

All diese Aspekte wirken sich auf ihr Selbstwertgefühl aus und sorgen dafür, dass sich dieses Kind in sich selbst verkriecht oder zum kleinen Rebellen gegen Gott und die Welt wird. In ganz extremen fällen kommt es zu einer Persönlichkeitsstörung, man nennt dies Borderline-Syndrom. Menschen mit dieser schweren psychischen Störung leiden unter ihren intensiven und unkontrollierbaren Emotionen. Das ganze Leben ist eine emotionale Achterbahnfahrt zwischen Stimmungsschwankungen und Wutausbrüchen.

Verletzte innere Kinder müssen lernen, sich einem zu öffnen. Sie müssen uns zeigen, was sie verletzt, geängstigt oder verunsichert hat. Da man meist erst in späteren Jahren anfängt, sich mit seinem inneren Kind auseinander zu setzen, kommt es häufig vor, dass sich am Anfang das innere Kind gar nicht zeigt, weil es kein Vertrauen hat. Wichtig ist dann, am Ball zu bleiben, mit ihm zu reden und ihm zu zeigen, dass man nun da ist und bereit ist, gemeinsam all die Dinge durchzustehen und zu heilen.

Die Arbeit mit den inneren Kindern ist häufig eine langwierige Angelegenheit und auch im hohen Alter kann es noch vorkommen, dass sich plötzlich ein kleiner – vielleicht bis dahin sogar unbekannter – Aspekt zeigt.

Fakt ist, wir werden Zeit unseres Lebens mit unseren inneren Kindern genauso wie mit unseren Kindern in der Außenwelt verbunden sein und deshalb sollten wir sie auch genauso sehr beachten und lieben …