Bewusstsein,  Spirit,  Selbsterkenntnis

Erkenne den Spiegel

Alles im Außen spiegelt Aspekte deiner eigenen Persönlichkeit wieder. Seien es Gefühle, innere Konflikte, Themen die wir uns nicht anschauen wollen oder sogar eigene Charaktereigenschaften. Man kann sagen, dass alles, was eine emotionale Reaktion in einem auslöst, etwas mit einem selbst zu tun hat.

Wahrscheinlich geht es den meisten so, dass es Situationen gibt, die einen nerven oder sogar ärgern. Sei es eine Verhaltensweise einer Bekannten, eines Kollegen, der Familie oder dem Lebensgefährten. Oft regen wir uns auch über das auf, was unsere Regierung so zutage fördert. Wir schimpfen über die Unzulänglichkeiten der anderen und behaupten von uns, dass wir es anders machen würden oder eben einfach anders sind.

Wahr ist jedoch, dass alles, was uns im Außen begegnet und uns in irgend einer Form emotional reagieren lässt, sei es mit Wut, Ärger, Freude, einem Lächeln oder gar einem Gefühl von Liebe, mit uns selbst zu tun hat. Nun werden es wohl manche sofort verneinen, doch bitte nehmt euch einen Augenblick Zeit, hineinzuspüren. Es geht hierbei nicht darum, jemanden zu verurteilen oder zu bewerten. Es geht darum, sich selbst zu erkennen, denn nur so können wir uns weiter entwickeln.

Nehmen wir als Beispiel ein Frau, die anscheinend immer etwas zum lachen hat. Bei jeder kleinen Situation, bei allem gesagten, findet sie eine Möglichkeit zu juchzen und zu lachen. Mir selbst geht es manchmal noch so und ich verdrehe dann innerlich die Augen. Doch was will mir die Situation, also der Spiegel, eigentlich damit aufzeigen? Es zeigt mir, dass es da ein Thema gibt, dass ich selber zu wenig lebe oder beachte. Ich bin recht streng von meinem Vater erzogen worden und in meiner Kindheit gab es eher seltener etwas zu lachen. Gefühle wurden aus Schutz als hinderlich bewertet und die Logik und die Vernunft standen meist im Vordergrund.

So kam es, dass ich, da ich ja von meinem Vater geliebt und geschätzt werden wollte, selbst immer öfter meine Gefühle wegschob und versuchte, die Dinge mit Logik und Vernunft zu behandeln. Was dabei zu kurz kam, war die spontane Freude am Leben und ja, vorallem das Lachen. Wenn ich nun heute auf jemanden Treffe, der überschwenglich und herzhaft lacht, gibt es manchmal so einen kleinen Pickser in mir und ich fühle mich irgendwie genervt. Das ich genervt scheine, ist jedoch nicht die eigentliche Wahrheit. Wahr ist, dass da ein Teil in mir ist, der neidisch ist, nicht selber so herzhaft, ohne es vorher zu analysieren, lachen zu können. Der nie gelernt hat einmal ganz unbedarft das Leben zu genießen und mal völlig ohne eine sogenannte Etikette zu wahren, laut und vielleicht sogar übertrieben lacht.

Ich habe in den letzten Jahren viel mit diesen Spiegeln gearbeitet und habe dadurch viel für mich selbst und vorallem über mich selbst erfahren. Wenn heutzutage eine Situation negativ behaftete Gefühle auslöst, dann frage ich mich, was mir diese Situation sagen möchte.

Jetzt gerade eben war da zum Beispiel wieder solch ein Spiegel, der meine Aufmerksamkeit wollte. Plötzlich strömte ein für mich eher unangenehmer Geruch von etwas gekochtem in meine Wohnung und schwubs war da diese kleine Stimme in mir, die anfing darüber zu schimpfen. Doch da ich inzwischen sehr bewusst mit solchen aufsteigenden Gefühlen umgehe, habe ich geschaut, warum es in mir diesen Ärger auslöst und die Erkenntnis folgte sofort. Ich bin so erzogen worden, auf alles und jeden in meinem Umfeld Rücksicht zu nehmen, daher würde es mir nie in den Sinn kommen – jedenfalls nicht bewusst – einfach etwas stark duftendes zu kochen, ohne dabei alle Fenster und Türen zu verschließen. Was mir also der Spiegel zeigen möchte, ist, wo ich mir selbst noch erlauben darf, unbekümmerter zu leben. Wo ich noch die all zu strengen und überzogenen Verhaltensweisen lockern darf.

Ich liebe diese Synchronizität, dass gerade jetzt, wo ich diesen Artikel schreibe, mir ein Spiegel vorgehalten wird. Früher hätte ich wahrscheinlich versucht es zu ignorieren oder behauptet, dass es rein gar nichts mit mir zu tun hat aber heute kann ich mich zurücklehnen und liebevoll über mich selbst lachen und freue mich, dass ich wieder ein Stück mehr in mir lösen konnte.