Bewusstsein,  Liebe,  Seelenthemen,  Selbsterkenntnis

Die Dualseelen und die Liebe

Früher mussten wir loslassen und hatten eine Zeit lang heftigen Liebeskummer, doch heute gibts dieses Dualseelenkonzept als – wie ich finde – tolle Ausrede für die vermeintliche Liebe und dafür, nicht loslassen und nicht durch den Schmerz gehen zu müssen, egal wie unglücklich wir auch sind und egal wie ausweglos die Situation auch scheint.

Ich selbst bin letzes Jahr für ein paar Wochen diesem Thema aufgesessen. Ich befand mich in einer Verbindung, die wirklich eine Menge von mir abverlangte und all meine Vorstellungen und Prinzipien auf den Kopf stellte. Noch nie zuvor, hatte mich eine Verbindung zu einem Mann so aus meiner Spur gebracht, wie diese. Ich versuchte zu ergründen, warum es in diesem Fall so ist, warum mich dieser Mensch so triggert und was genau in mir eigentlich so leidet.

Irgendwann kam ich dann durch höhrensagen auf das Thema Dualseele. Im ersten Moment dachte ich, „oh okay, da wird alles so beschrieben, wie ich es gerade erlebe, dann muss das wohl so sein, wenn man wahrhaft liebt. Und wenn ich nur lange genug durchhalte, wird alles gut, denn er ist ja mein Dual“ Aber schon nach kurzer Zeit merkte ich, z. B. durch schlaflose Nächte, körperliche Symptome, immer wieder kreisende Gedanken und durch schon fast storkerhaftes Verhalten auf seinen Profilen, dass das nicht der richtige Weg sein kann, denn dieser Glaube an (m)eine Dualseele förderte irgendwie ein suchtähnliches Verhalten.

Was mich ebenfalls wachgerüttelt hat, waren die unzähligen Frauen, die seit 2, 5, 10 oder noch mehr Jahren an ihrem vermeintlichen Dual festhielten und sich dadurch selbst ein enormes Leid antaten … Das hat in meinen Augen rein gar nichts mit wahrhafter Liebe zu tun sondern eher mit Verlust- und / oder Bindungsängsten.

Das einzige, was man diesem sorry „Märchen“ abgewinnen könnte ist, dass man aufgefordert wird, wieder nach innen zu gehen und so wie eben früher, seine Wunden zu erkennen. Aber die wenigsten tun das, weil sie nur an der vermeintlich romantischen Verbindung und damit an der „Ausrede“ festkleben, um sich nicht mit sich und dem Prozess des Loslassen auseinander setzen zu müssen und meinen, den daraus resultierenden Schmerz des Loslassen umgehen zu können. Aber in Wirklichkeit, so meine ich jedenfalls, fügen sie sich am Ende noch viel mehr Leid und Schmerz zu und bleiben in einem Teufelskreis an Selbstvorwürfen und Sehnsüchten gefangen, denn der Dual und damit die vermeintlich einzige wahre Liebe kommt ja angeblich erst, wenn man alle seine Lektionen brav gelernt hat. Was für eine Bürde sich manche damit antun ist kaum in Worte zu fassen.

Ich persönlich glaube an die Liebe, wie sie in meinen Augen wahrhaft ist. Sie ist ein wunderbares erhebendes Gefühl und fließt wann immer sie möchte und stellt keinerlei Bedingungen. Das Konzept Dualseele hat meiner Meinung nach nichts mit Liebe zu tun, sondern gleicht den Erfahrungen, die wir als Kinder gemacht haben „wenn du nur schön artig bist, nichts forderst und immer machst, was andere von dir wollen, wirst du (irgendwann) am Ende mit Liebe belohnt“ … Was für ein Irrsinn …

Wer in der Lage ist und „sich traut,“ sich mit sich selbst auseinander zu setzen und seine (alten) Wunden erkennt und heilt, wird auf diese, wie ich finde, reine Geldmacherei nicht reinfallen und dieses Verwirrspiel nicht mitmachen. Ich selbst bin froh, dass mich mein inneres Gefühl immer davon abgehalten hat, dafür Geld auszugeben.

Und wenn man sich die Mühe machen will, dann kann man ja mal schauen, seit wann dieser Begriff überhaupt existiert. Nirgends in alten Büchern und Überlieferungen steht etwas von einer Dualseele geschrieben, sondern es tauchte plötzlich wie aus dem Nichts vor ein paar Jahrzehnten auf.

… Gott, das Universum, das höhere Sein oder wie auch immer man es nennen möchte, hat eine wunderbare und perfekte Welt geschaffen, in der es alles im Überfluss gibt und hat sicherlich nicht beschlossen, uns aber in Sachen „Liebe“ nur einen wahrhaften Partner zu gönnen und den auch nur dann, wenn wir immer schön brav sind und ewig lernen …