Selbstverantwortung,  Bewusstsein,  Erholung,  Spirit

Innehalten und ankommen

Wahrscheinlich gab es nie ein größeres Angebot an Informationen als in der heutigen Zeit. Seien es nun Bücher, das Internet oder die unzähligen Seminare und Vorträge. Die Auswahl ist riesig und manch einer hetzt von einem Seminar zum nächsten oder liest ein Buch nach dem anderen. Immer mehr Menschen befinden sich auf dem Weg des Erwachens und legen einen förmlichen End-Spurt hin, um endlich anzukommen. Liest man dann noch die aktuellen Tagesenergien, die einem ebenfalls sagen, dass jetzt die Zeit gekommen ist um „noch schnell“ alles ins reine zu bringen, glaubt man sich auf dem richtigen Weg und legt am besten noch einen Zahn zu.

Aber während sie das alles tun, haben sie gleichzeitig das Gefühl, dass die Welt sich immer schneller dreht, das Leben immer anstrengender wird und obwohl die Energien so hoch sind und uns wohl unterstützen, fühlen sie sich immer häufiger müde und ausgelaugt und der Körper kränkelt.

Ich habe den Eindruck, dass wir selbst es sind, die sich die Kraft und Energie rauben, denn wir wollen ja endlich ankommen, wollen heil werden, wollen endlich Frieden und dafür scheint keine Mühe zu groß und kein Angebot zu teuer zu sein. Wir lassen uns die Karten legen, rennen von einem Guru oder Seminar zum anderen, meditieren mindestens zwei mal am Tag, transformieren dies und jenes und erhoffen uns dadurch, unser Ziel bald schon zu erreichen. Aber ich persönlich denke, das wir so an unserem Ziel vorbeirennen und es nicht einmal bemerken.

Ich beobachte gerade in den letzten Jahren bei vielen Menschen immer häufiger, dass kürzlich erst erkannte und scheinbar gelernte Dinge, spätestens nach ein paar Monaten irgendwie schon wieder in Vergessenheit geraten sind. Personen, die eben noch ein tolles Bewusstseins-Festival besucht haben und energiegeladen nach Hause kommen, fühlen sich nach zwei drei Wochen wieder genauso down, wie vorher.

Das Problem ist, dass wir uns selbst keine Zeit mehr lassen. Wir nehmen uns keine Zeit mehr, um das gelernte wirklich zu verinnerlichen und vor allem bewusster und bestenfalls glücklicher danach zu leben. Ein Same, den wir „in uns“ gepflanzt haben, braucht Zeit zum reifen, es bringt nichts, sich am nächsten Tag den nächsten Samen einzuwerfen. Wir sind so getrieben vom „forschen, entdecken, erkennen und ankommen wollen“ dass wir nicht bemerken, dass wir zuerst in uns selbst ankommen müssen und das geht nur, wenn wir uns dafür die Zeit nehmen.

Unsere Seele ist denke ich nicht nur hier, um alle Sorgen und Probleme im Schnelltempo zu lösen und zu transformieren, oder sich und die Welt in ein paar Jahren zu begreifen, sondern auch, weil sie hier die Möglichkeit hat, sich selbst und das Leben auf wunderbare Weise zu erfahren. Also geben wir ihr doch auch die Gelegenheit neben allem Eifer auch mal inne zu halten, wahrhaft anzukommen und das Leben zu genießen.